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In Gottes (Zeit-) Plan leben

3ea3c12f2dd2f3d4615077062319c51b.jpgIch finde es auffällig, wie oft im Hinblick auf das Leiden und Sterben Jesu von „Gottes Zeitplan“ die Rede ist. Wie sehr insbesondere im Johannesevangelium betont wird, dass Gott die Regie führte und es das unbedingte Anliegen Jesu war, im Willen seines himmlischen Vaters zu leben.

Lange schon wollten die Feinde Jesu ihn aus dem Verkehr ziehen. Er war ihnen ein Dorn im Auge, also versuchten sie, ihn zu verhaften und zu töten. Aber wiederholt wird in den Evangelien berichtet, dass dies nicht gelang, „denn seine [von Gott bestimmte Stunde] war noch nicht gekommen.“ (z.B. Joh. 7,30).

Jesus selbst achtete grundsätzlich sehr darauf, nichts zu tun, wofür er nicht „grünes Licht“ von seinem himmlischen Vater hatte. So lehnte er Vorschläge enger Vertrauter mit der Begründung ab, „meine [vom Vater bestimmte] Zeit ist noch nicht gekommen“ (Joh. 2,4 und 7,8). Und etliche Zeit hielt er sich bewusst von Jerusalem, dem Machtzentrum seiner Gegner, fern. Denn er wusste, dass man ihm nach dem Leben trachtet. Aber „die von Gott festgelegte Zeit“ war offensichtlich noch nicht gekommen. Also begab er sich nicht unnötig in Gefahr. (Joh. 7,1).

Später jedoch, kurz vor seiner Gefangennahme und Hinrichtung, weiß er, „welche Stunde geschlagen hat“. Und er weicht dem Leiden nicht aus, sondern stellt sich ihm bewusst. Weil er weiß, dass genau dadurch der Wille seines göttlichen Vaters erfüllt wird: „Mir ist jetzt sehr bange. Was soll ich tun? Soll ich sagen: ‚Vater, lass diese Stunde an mir vorbeigehen‘? Aber ich bin ja in diese Stunde gekommen, um sie durchzustehen…“ (Joh. 12, 27).

Beide Aspekte sprechen mich auch in Bezug auf mein eigenes Leben und das der Gemeinde an:

Zum einen sehe ich das Thema „Bewahrung“. Wir sehen es bei Jesus und auch im Leben vieler anderer biblischer Gestalten; Gott hat Mittel und Wege, seine Diener auch vor und in größter Gefahr zu bewahren. Wer sein Leben im Vertrauen auf Gott gestaltet, ist nicht hilflos schwierigen Umständen, Krankheiten oder feindseligen Menschen ausgeliefert. Er ist in Gottes Hand. Das sollte uns nicht dazu verführen, uns leichtsinnig in Gefahr zu begeben, ebenso wenig wie Jesus es tat. Aber wir dürfen vertrauen lernen, dass „unsere Zeit [unsere Zukunft, unser Leben] in Gottes Hand steht“ (Psalm 31,16). Das gilt für uns als Gemeinde, für Sie persönlich wie für mich selbst.

Zum anderen bewegt mich der vertrauensvolle Gehorsam Jesu. Der ihn nicht einfach drauflos marschieren ließ, als sich scheinbar eine gute Chance zum Handeln ergab. Der ein klares Empfinden dafür hatte, ob das jetzt auch im Plan Gottes war. Und der auf der anderen Seite nicht auswich, nicht floh, sich nicht verweigerte, als er merkte, dass die nun folgenden Tage des Martyriums dem Willen seines Vaters entsprachen.
Ich wünsche mir für mich selbst und für uns als Gemeinde, dass wir in wichtigen Fragen sensibel sind für die Stimme Gottes. Dass wir hören wollen und können, ob das, was wir zu tun beabsichtigen, auch aus Gottes Sicht dran ist. Ich wünsche uns Geduld, um nicht voreilig vorzupreschen, wenn Gott eigentlich noch „warten“ sagt. Und ich wünsche uns Vertrauen und Gehorsam, wenn es gilt, aus schwierigen Situationen nicht zu fliehen. Auszuharren, drin zu bleiben - wenn Gott uns dies als Platzanweisung gibt. Manchmal bewahrt uns Gott vor Leiden. Manchmal führt er uns hinein.

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen

Friedhelm Zurmühl